ROSSAUER LÄNDE

Jakob Köpf hat ein Fußleiden. Links oben. Den Fußknöchel mit Kaffee verbrüht.
Schottenring: Die nächste U-Bahn fährt in 3 Minuten ein und dank der neuen Zeitangabe auf der Anzeigentafel weiß man, dass die übernächste in 6 Minuten einfahren wird und wenn man die erste nicht nehmen will man noch Tee aus der Thermoskanne trinken oder ein paar Fotos schießen oder eine rauchen oder Leute schauen kann. Einer trägt eine Brille, ein anderer trägt keine. Einer muss gerade eben beim Friseur gewesen sein. So wie Jakob, der mir erzählt hat wie ungern er eigentlich zum Friseur geht und dass der Friseur ihn da gut verstehe, denn der habe genickt und gesagt ja, das sei so wie er nicht immer so gerne zum Zahnarzt.
Jakob mag Ute Bock nicht, hat er mir erzählt, dass er das heute bei der Bücherbörse jemandem erzählt habe und die Leute, die auch noch dort waren , circa zwei, ganz böse geschaut hätten, woraufhin sein Kollege Heinz, der zwar Schokolade mag, aber keine mehr darf, sagen konnte „Ich aber schon. Ich mag die Ute Bock. Sehr.“
Im Costa del Sol Tourismus Zelt gibt’s ab morgen Flamencotänzer zu sehen.
Nächsten Donnerstag gibt’s einen Vortrag über „Das Hervortreten des Weltlehrers für das Wassermannzeitalter“ zu hören.
Jakob Köpf liest Fjodor Michailowitsch Dostojewski. „Der Idiot“. Und steigt in die U-Bahn. „Zuuuug fährt ab.“
Roßauer Lände: picasso im schlafrock, khm und schau mich an, the rebirth of art, das neue opernhaus, a_schau, am grossen bahnhof wien und die weite welt. Viennale ist auch. Vom Kunsthalle Plakat in der Station sagt Raymond Pettibon whatever it is you’re looking for you won’t find it here runter.
Dieses herausragende Kleinod U-Bahnstation bietet neben einem komfortablen Ausstieg darüber hinaus auch: Betriebskammer, Müllraum, Aussicht auf die Donau und deren Kanal, Toiletten und 2 x Lift und wenn man Glück hat kann man vielleicht auch einen Donaudampfer vorbei schippern sehen – oder – ein paar Stationen weiter – Schwedenplatz dann – nach Wienislava oder Bratiswien – der neue „City Liner“ Wien – Bratislava – Bratislava – Wien.
Aber wozu reisen fragt sich Jakob eben mal neben einer von Berufswegen Österreich-die neue Tageszeitung – Leserin.
Und während er so sonnenversunken in seinen Seiten blättert und sie anschaut hat er plötzlich diese Melodie im Ohr, die ihn sein Fußleiden fast ein wenig vergessen macht: du bist die linie, die sich durch mein leben zieht, merci, dass es dich gibt und beißt in sein Radio Wien Weckerl.

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