5) Lily Brett und Arno Holz sitzen beim Essen. Arno Holz macht sich über den Nachnamen von Lily Brett lustig, worauf sie empört reagiert und androht, das Lokal zu verlassen.
ubahntexte - 15. Dez, 16:07
4) Man hat ihr ein altes Nudelsieb auf den Kopf gedrückt, und eine Waffe (eine funktionstüchtige, geladene Waffe?) in die Hand, und man hat sie mit viel Pathos und eindringlicher Ermahnung zur Tapferkeit in den Kampf geschickt. Aber daran sollte es nicht gelegen haben; sie hat schon begriffen, worum es geht, und dass man leider, und sei es unter Invokation aller denkbaren moralischer Konflikte, kämpfen wird müssen; und sie wäre auch bereit dazu, und durchaus auch kräftig und vernunftbegabt (ist das denn hilfreich? es ist jedenfalls besser als das Gegenteil, möchte man meinen), aber man hat ihr nicht gesagt, wie der Kampf zu führen sei, und es gibt auch keine Armee, die sie umgibt, und gottlob keine Heeresleitung.
Und so ist sie auf das Gutdünken zurückgeworfen, und macht im höheren Sinne Fehler, die ihr zum Verhängnis werden können; aber ob sie nun fahrt oder bleibt: ihre aussichten sind schlecht, und wir möchten nicht hoch wetten, dass sie davonkommt. ehrlich gestanden, lassen wir ziemlich unbekümmert die frage offen.
ubahntexte - 13. Dez, 14:52
I. Schlechte Zeiten für die Kunst. Ich steh mit 1 Schriftbild (A3) in der -Bahn, 1 schwarzplastikbejackter Rücken knittert sich an mich, klebrige Finger schmieren sich in meine Wasserfarben ... bin, wie alle, überlaufen, überschätzt (ich wollte sagen: überschwitzt) ... heut schon 3 Glas zerschmettert, so eine unstete Hand. Zur Freude ein Zitat (in meinem Rucksack bröckelt Schokolade unterm Massendruck jenseits des Gasdruckwiderstands, welcher die Stabilität der Moleküle aufrechterhält), Zitat: Bygmeester Finnegan, of the Stuttering Hand ... Erse Solid Man (der Große Starke Ire mit der Zitterhand, der doch gefallen ist, zuerst wallstrait, dann koex! koex! koex! und kaputt.) Ein Anfang für unsere Geschichte, sie beginnt in einer Unbequemlichkeit (U-Bahn ist voll, das Schriftbild dreckig von Zitaten, fremder Schmutz) und löst sich, wenn's ein Bildungsroman sein soll, spätestens Ende November in ein Wohlgefallen auf. Aber hier in der Oktoberbahn wird eindeutig zuviel geredet, toujours mots ...
II. Dieses Vorbeigeprassel immer, dieses Durchgetunnele! Wieviele meiner Geschichten entstehen in Zügen, durch die Landschaft geschossen und dadurch 1 bisschen von der Welt gelöst, die vielzuschnell vorbeigeistert, um mich noch angreifen zu können ... fass mich an ... auch wenn die Welt grad ein Gewitter ist, das wie ein Amboss auf den Türmen von St. Pölten und Amstetten balanciert, ein Regentunnel ... fast 1 Bachmann-Witz, wie sich das weiße Blatt Paier vom Triebwagen gezogen in den Semmeringtunnel quetscht, um dicht beschrieben und zerknittert wieder rauszukommen, weil ein Tunnel ist immer ein guter Anfang ("Der Fall Franza", Franzas Fall, zitternde Hand). Aber ... wenn wir jetzt immer nur im Tunnel bleiben? Immer nur im pränatalen Zustand ... Texte, welche nie die Sonne sehn und ihre scharfen Schatten ... ein Wust ohne Unterscheidungen (und also drei Punkte statt einem, eine Dreiuneinigkeit) ... Wieder ein Grund (das nebenbei) warum erfüllte Liebe selten gute Texte zeugt: Too misty. (Gesungen --:-- ) Would I wander through this wonderland alone, / never knowing my right foot from my left, my hand from my glove; / I'm too misty, and so much in love --:-- die Unterscheidungen gehen verloren, meins/deins, innen/außen; die trennende Wasser-Haut, wie sie Bachmannst Undinen haben, diese Unerreichbaren, eignet uns armen Menschen (wretched mortals) nicht ...
III. Ich habe Haare im Mund, meine eigenen, wassergetränkt. Bin aus der Stiege aufgetaucht und sehe 1 Abwesenheit --:-- der Vogel, dem ich da die letzten Tage beim Verfaulen zusah, ist verschwunden. ( ... wer nimmt 1 toten Vogel mit? Kultisten? Aber meine alte chaosmagische Erfindung, das "Prinzip der Überreste des Toten Vogels" ... irgendwann vor Jahren ausgedacht ... hat, sagt man mir, noch in der Schweiz 1 paar Anhänger, meine erste Sekte quasi, aber ... nee, auch die verwenden nur Gebeine von gekochten Hühnern, während sie aus den Principii Cadaverorum rezitieren ... keine echten Straßenleichen ...) ... nee wenn's nur das wär, Religion und Kult ... 1 Spaß ... aber es ist Ordnung, reine Ordnung (Ordnung ist 1 leerer Pappkarton, das wissen wir) ... Ordnung --:-- solang der Vogel fliegt, ist er willkommen, aber wenn er mal fertig ist und liegenbleibt, dann muss er weg. Geht ja nicht, einfach fertigsein und dableiben. Wir wollen Flüchtige, Unvollständige, ständig im Fortschreiten Begriffene ... Schreit fort! ... die U-Bahn-Ordnungskräfte scheuchen mich von meiner Bank: Das hier ist nicht zum Bleiben da! ... was bleibt?
ubahntexte - 13. Dez, 13:52
die lichter preisen schuhe an
und sportartikel
kaufen kann man sie erst bei tag
in den schlafstädten gehen die träume um.
nimm dich vor dem sandmann in acht
manchmal hat er glasscherben im sack
den äther, von dem gemurmelt wird
habt ihr eingesaugt,
und er bedeutet euch
ihr seid satt und zufrieden
sei ohne sorge, sei ohne sorge
ubahntexte - 10. Dez, 17:16
"Die vier Bilder erzählen eine melancholische Geschichte:
wir sehen eine schwangere Frau. Sie gebiert ein Kind, das heranwächst und erblindet. Schließlich, am letzten Bild, das gealterte Kind, gebrechlich, am Stock gehend."
(tut mir leid, eva, mir ist erst hinterher aufgegangen, dass das ... naja. du weißt schon.)
ubahntexte - 2. Dez, 01:54
Denn sieh, die Türme wurden zu hoch in den Himmel gezogen,
und wie zur Rache erscheint
über den Dächern,
funkelnd vom Glanz aller Sprachen,
der Kagran.
ich bin unter den bösesten deiner träume
als man dich ausgraben mußte
aus den zwölf decken
und man dich fragte was sei
was denn um himmels willen sei
und du sagtest: "nichts"
das war ich
du hattest keinen namen für mich
mit meinem atem vermengt, flockt die milch.
Mein Wort für sich
geht leise,
doch bricht es die berge herab
mein wort
wie es über die erde geht
ist ein verstreutes volk
mein wort
der sturm
nimmt fünf
aus einem haus von fünf
mein wort
nimmt zehn
aus einem haus von zehn
ich bin, wofür euphemismen gefunden werden müssen
wer mir entkommt, wird seinen kindern erzählen
ich bin der ausbleibende bote, der zerbrochene spiegel
der dunkle tag, die schwarze katze,
der tote albtros, das elmsfeuer
die spinne am morgen, der dreibeinige hund
die hahnenfeder, das gerissene seil,
das flimmern am kardiogramm, der böse blick,
die böse stimme vom himmel, die ungleichen leuchtfeuer
ich bin die missgunst der Atropos, das auge des feldes,
die leere strecke, des messers schneide, das ohr des waldes,
der rauhreif, der finstere mond und die böse schwester der sonne
das irrlicht, die wächserne nabe, das nest von hugin und munin,
die geschwärzte passage.
Ich bringe dich, wohin niemand dir folgen kann.
Du magst das Gute sein, aber ich bin das Bessere, und dein Feind.
ubahntexte - 30. Nov, 06:14
Jakob Köpf hat ein Fußleiden. Links oben. Den Fußknöchel mit Kaffee verbrüht.
Schottenring: Die nächste U-Bahn fährt in 3 Minuten ein und dank der neuen Zeitangabe auf der Anzeigentafel weiß man, dass die übernächste in 6 Minuten einfahren wird und wenn man die erste nicht nehmen will man noch Tee aus der Thermoskanne trinken oder ein paar Fotos schießen oder eine rauchen oder Leute schauen kann. Einer trägt eine Brille, ein anderer trägt keine. Einer muss gerade eben beim Friseur gewesen sein. So wie Jakob, der mir erzählt hat wie ungern er eigentlich zum Friseur geht und dass der Friseur ihn da gut verstehe, denn der habe genickt und gesagt ja, das sei so wie er nicht immer so gerne zum Zahnarzt.
Jakob mag Ute Bock nicht, hat er mir erzählt, dass er das heute bei der Bücherbörse jemandem erzählt habe und die Leute, die auch noch dort waren , circa zwei, ganz böse geschaut hätten, woraufhin sein Kollege Heinz, der zwar Schokolade mag, aber keine mehr darf, sagen konnte „Ich aber schon. Ich mag die Ute Bock. Sehr.“
Im Costa del Sol Tourismus Zelt gibt’s ab morgen Flamencotänzer zu sehen.
Nächsten Donnerstag gibt’s einen Vortrag über „Das Hervortreten des Weltlehrers für das Wassermannzeitalter“ zu hören.
Jakob Köpf liest Fjodor Michailowitsch Dostojewski. „Der Idiot“. Und steigt in die U-Bahn. „Zuuuug fährt ab.“
Roßauer Lände: picasso im schlafrock, khm und schau mich an, the rebirth of art, das neue opernhaus, a_schau, am grossen bahnhof wien und die weite welt. Viennale ist auch. Vom Kunsthalle Plakat in der Station sagt Raymond Pettibon whatever it is you’re looking for you won’t find it here runter.
Dieses herausragende Kleinod U-Bahnstation bietet neben einem komfortablen Ausstieg darüber hinaus auch: Betriebskammer, Müllraum, Aussicht auf die Donau und deren Kanal, Toiletten und 2 x Lift und wenn man Glück hat kann man vielleicht auch einen Donaudampfer vorbei schippern sehen – oder – ein paar Stationen weiter – Schwedenplatz dann – nach Wienislava oder Bratiswien – der neue „City Liner“ Wien – Bratislava – Bratislava – Wien.
Aber wozu reisen fragt sich Jakob eben mal neben einer von Berufswegen Österreich-die neue Tageszeitung – Leserin.
Und während er so sonnenversunken in seinen Seiten blättert und sie anschaut hat er plötzlich diese Melodie im Ohr, die ihn sein Fußleiden fast ein wenig vergessen macht: du bist die linie, die sich durch mein leben zieht, merci, dass es dich gibt und beißt in sein Radio Wien Weckerl.
ubahntexte - 28. Nov, 16:21
Es ist evolutionär und somit menschlichem Verhalten zu Folge klar, dass die, die in der U-Bahn drin sind (Ausnahme vielleicht Sandler und total Geistesabwesende) wieder aus ihr raus wollen und solche, die am Bahngleis warten, in sie hinein wollen. Was mir, abseits dessen, dass es ja auch die U-Bahnfahrer selbst predigen man solle die Leute zuerst in Ruhe aussteigen lassen, damit das Ganze möglichst reibungslos verläuft, ein wenig schleierhaft ist, ist folgende Dümmlichkeit nach dem „Doppelt hält besser“ – Prinzip: Die U6 fährt in die Station Alserstraße ein. Aha, sie ist total überfüllt. Viele Menschen werden also gleich aussteigen. Man wird gerne ein wenig warten und dass man einen Sitzplatz bekommt ist eher unwahrscheinlich und mit ein bisschen Nachdenken müsste man auch begriffen haben, dass man nun eigentlich nichts mehr zu tun hat als sich (hat man die Muße dazu) strategisch günstig (also irgendwo) am Bahngleis zu positionieren. Jedoch: die Totalhektischen! Was machen die? Obwohl die Türen 1.) sowieso automatisch aufgehen und 2.) der Türknopf von einem „ich will raus“ Menschen längst zusätzlich selbsttätig gedrückt ist, drückt eine von außen trotzdem 3 x auf den nicht mal aufleuchtenden Knopf! DIE TÜR GEHT DANN TROTZDEM NICHT GSCHWINDER AUF! GANZ IM GEGENTEIL! Solche Totalhektischen, von ihrem günstigen „Ich bin gleich als Erste drin!“ – Trumpf völlig Überraschten wissen mit der Zeit am Bahngleis zwischen „stehen bleiben und noch 4 Sekunden Geduld haben“ anscheinend nicht wohin mit ihrer überschüssigen Energie. Oder sie sind einfach zu blöd und sollten U-Bahn-Verbot bekommen – riskieren sie bei ihrem unaufhörlichen Gedrücke, das null bringt und dazu Hand in Hand gehendem dämlich Dreingeschaue schließlich nicht nur ein neues „Türstörung“ – Pickerl, sondern schon wieder so eine Situation, die ja bekanntlich erst recht dazu beiträgt blanke Massenpanik auszulösen.
ubahntexte - 28. Nov, 16:21
FRIEDENSBRÜCKE
Der Mann hat bei Lichte betrachtet nicht viel mit einem Seiltänzer gemein, und so betrachten wir ihn auch: bei Lichte, die Sonne ist ein lichtschwache Scheibe hinter ihm. Wäre nicht Herbst, man würde den Notdienst verständigen und einen Defekt des Himmelskörpers vermelden, so betrachtet man nur den Menschen, der dort oben steht und begonnen hat, Balancebewegungen zu machen, so als stünde er auf einem Balken.
Er erregt die Aufmerksamkeit des Publikums. Hälse recken sich, Augenbrauen in die Stirn geschoben und kleine Kinder wollen hochgehoben werden. Man könnte sagen, die Unterhaltung der Fahrgäste ist gewährleistet. Irgendwann, in absehbarer Zeit, wird sich jemand am Funkkasten der Station zu schaffen machen wegen der außergewöhnlichen Situation, und er wird die vierzehn Spinnen vertreiben, die dort sitzen und deren Anwesenheit uns bisher sagte: hier geschieht nicht viel.
Was drängt, neben dem gespielten Balanceakt, den Vergleich mit einem Seiltänzer auf? Nun, der Mann war gesichert, mit Klettergurt und Achterknoten und wie es sich gehört, aber er hat sich abgebunden, und ist an den Rand des Dachs getreten. Er hat damit die Befürchtungen geweckt, die uns beschäftigen.
Würde es etwas erklären, zu erzählen, was vor ihm liegt? Möglicherweise nicht, und überdies wissen wir davon nichts. Ebensowenig wie von den Umständen, die ihn hierher, auf das Dach der Station Friedensbrücke geführt haben. Er blickt zwar hie und da auf die Geleise vor ihm hinab, aber es scheint nicht so, als würde er mit dem Auge Maß nehmen, vielmehr glauben wir zu wissen, dass der metallische Glanz der Schienen den BLick unwillkürlich auf sich ziehe. Abgesehen davon ist unserer Vorstellung eine Grenze gesetzt, die uns von ihm in gleicher Weise abschneidet wie das Dach, auf dem er steht. In dieser Unzugänglichkeit von Vergangenheit und Zukunft bleibt uns vorderhand nicht mehr, als zu mutmaßen, was er im Moment denkt, über den Geleisen, und da uns die Situation nicht genügend Hinweise in die Hand gibt, um zu einem zwingenden Schluß zu gelangen, so können wir nur unsere Vermutungen nebeneinander stellen.
1) Der Verkehr ebbt hier nicht ab, hier läuft er schon gleichmässig. Die Autos und auch die die U-Bahnen laufen am Ufer entlang wie Pferde auf der Suche nach einer Furt. Oben, bei der Ampel, hört man noch das Stocken in den Ampelphasen, die Ruhe im Sturm; von hier aus sieht man hinunter bis ... . Es ist, wenn man es so bedenkt, nett, hier zu stehen. Wer hat mir erzählt, dass dieses Wetter häßlich sei? Ich hätte mir ein Gedicht gewünscht, das auf diesen Moment paßt... aber es schien keines zu geben. Die Tragfähigkeit der Lyrik is begrenzt; weil die Entsprechung von jetzt müßte in der Indifferenz beginnen, und
2) Wenn ich gelebt hätte, Menuck,-- dann hätte ich erleben wollen, wie ich mich entfalte in deinem Schatten, und wie ich schließlich deine Maßstäbe erreiche und mich selber als ebenbürtig zu begreifen beginne. Wie man sich langsam fragen müßte, ob ich gut bin oder böse, dann hätte man von meiner Tapferkeit erzählen müssen, von den eingerissenen Zelten, von den Zapfen, die von den großen, gefiederten Tannen gefallen sind, vom Nachthimmel, der mir keine Angst macht, und vom Polarstern, der nicht gefressen wird. Dann gäbe es Bilder, die nicht gestohlen sind. Denn wenn ich gelebt hätte, Menuck, dann gäbe es Geschichten, an deren Ende man anderes sagen könnte als: ich bin noch einmal davongekommen.
3) Hannah Arendt und Martin Heidegger sitzen beim Abendessen. Es gab ein raffinierten italienisches Gericht mit schwer auszusprechendem Namen, auch das Dessert und die zweite Flasche Wein wurde schon serviert. Martin Heidegger beugt sich über den Tisch, um mit nicht mehr ganz sicherer Hand Hannah Arendt nachzuschenken. Dann stellt er die Flasche auf den Tisch zurück, und beginnt, mit einer zärtlichen Geste, sein Vis-a-vis am Kinn zu kraulen. Er nennt sie dabei "Mein Trüffelchen", oder, was eher seiner Provenienz gerecht wird, "Trüffele". Hannah Arendt scheint das zu gefallen. Sie gurrt verspielt, und nennt ihn zärtlich "Waldsaudi".
4) ...
ubahntexte - 28. Nov, 05:01
im supermarkt war die sonnenmilch herabgesetzt
wir sehen bekannte gesichter
die unbkannten leuten gehören
nach oben verliert sich der sand in den sträuchern
stell dir vor, es branden wellen ans ufer
würden sie erzählen?
nach links richtung heiligenstadt bitte und danke
ihr könnt palmen in blumentöpfe setzen
das ist nicht das meer
ubahntexte - 25. Nov, 19:16